29.08.2026

Selbstoptimierung auf katholisch

Die Ferien gehen zu Ende, ein neues Schul- und Arbeitsjahr beginnt. Kinder und Jugendliche starten wieder in die Schule, viele kehren an ihren Arbeitsplatz zurück. Der Alltag nimmt wieder Fahrt auf – mit Terminen, Aufgaben und Verpflichtungen.

Dabei leben wir in einer Welt, die uns vor viele Fragen stellt: Kriege und Gewalt, Naturkatastrophen, Armut und gesellschaftliche Veränderungen.

Auch die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz lässt uns fragen: Wird die Welt dadurch wirklich besser, gerechter und menschlicher? Oder werden wir am Ende nur immer schneller, perfekter und effizienter?

Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Das Wort „Angst“ kommt von „Enge“. Angst kann unser Herz eng machen und unseren Blick klein werden lassen.

Die Bibel kennt diese Erfahrung sehr gut. Immer wieder hören wir die Zusage: „Fürchte dich nicht!“ Das bedeutet nicht: „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Es bedeutet vielmehr: Du bist mit deiner Angst nicht allein.

Im Evangelium vom Sturm auf dem See erleben die Jünger genau das. Sie geraten in Todesangst, während Jesus schläft. Sie wecken ihn, und Jesus lädt sie ein, neu zu vertrauen. Er nimmt ihre Angst ernst, aber er lässt sie mit ihrer Angst nicht allein.

Glaube bedeutet deshalb nicht, vor den Problemen dieser Welt davonzulaufen. Jesus bleibt mitten in dieser Welt bei uns. Mit ihm können wir uns unseren Sorgen und Herausforderungen stellen.

Vielleicht liegt darin eine besondere Form der „Selbstoptimierung“: nicht immer perfekter werden zu müssen, sondern innerlich freier, vertrauensvoller und menschlicher zu werden. Nicht alles selbst im Griff haben zu müssen, sondern Gott immer mehr zuzutrauen.

Als Christen leben wir nicht zuerst von Leistung, sondern von Beziehung – von der Beziehung zu einem Gott, der uns liebt. Im Gebet, in den Sakramenten und in der Liebe zum Nächsten wächst diese Beziehung.

Gott will uns nicht zu perfekten Menschen machen. Er will uns zufreien Menschen machen – zu Menschen, die trotz aller Angst vertrauen,trotz aller Sorgen hoffen und trotz aller Dunkelheit lieben können.

Vielleicht ist das die schönste Form der „Selbstoptimierung auf katholisch“: Nicht immer mehr aus uns selbst herauszuholen, sondern immer mehr in Gott hineinzuwachsen.

So dürfen wir nach den Ferien neu beginnen – nicht mit dem Anspruch, alles perfekt machen zu müssen, sondern mit dem Vertrauen: Gott geht mit uns.

Ihr Vikar Shijo Kottakaly